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facebook_background__blue__by_chimchar458-d2zof0cFacebook plant angeblich eine eigene Ortungs-App.
Keine Woche ohne ein neues Feature, an welchem Facebook arbeitet. Wie wir bereits in der Vergangenheit berichtet haben, hat das Netzwerk seine Bemühungen im mobilen Sektor, nach einem verspäteten Start, mächtig verstärkt.

Heute erreicht eine neue Meldung die Fans. Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Quellen berichtet, soll Facebook an einer eigenen Ortungs-App für sein Netzwerk tüfteln. Was sich auf den ersten Blick nicht sehr spektakulär liest, birgt hingegen enorme Sprengkraft. Nicht nur für den schwelenden Streit mit Datenschützern, sondern auch für den Werbemarkt im Bereich Facebook-Ads.

Doch von vorne: Worum geht es? Was sind Ortungsdienste?

Ortungsbezogene Apps, lokalisieren den Nutzer Ortungsdiensteeines Smartphones und das durchgehend! Sie laufen (meist) im Hintergrund und teilen der Community den Ort des Handys und ggf. Zusatzinformationen mit. Damit ist es möglich z.B. Flirtpartner in der Nähe (z.B. Kiss2go), Freunde in den umliegenden Cafés oder aber einfach Leute mit gleichen Interessen in einer fremden Stadt zu finden (z.B. Highlight).
Anbieter solcher Dienste gibt und gab es viele, den wirklichen Durchbruch hat indes noch keiner geschafft.

Neben den eigenständigen App-Dienstleistern (mit einer eigenen Community), haben auch die großen Netzwerke bereits eigene Ortungsdienste entwickelt und veröffentlicht. Apple bietet seine eigene App „Freunde“, mit welcher der Nutzer, nach einer Einverständniserklärung, von seinen Bekannten permanent geortet werden kann und umgekehrt. Google zog im Jahr 2009 erst mit seiner App „Latitude“ und später mit seiner App „Google Now“ nach. Auch hier ist die Funktionsweise ähnlich, bei der zweiten App lassen sich zudem noch erweiterte Daten, wie z.B. die des Kalenders einbeziehen.

Wieso haben sich diese Dienste bislang nicht mehrheitlich durchgesetzt?

Den einen Grund, weshalb sich diese Dienste (noch) nicht durchgesetzt haben gibt es nicht. Zum einen ist es sicherlich die fehlende Akzeptanz und Durchdringung neuer Netzwerke, welche den Nutzerkreis einschränkt und so die zu nutzenden Daten überschaubar macht. Wenn sich keiner der App-Nutzer in der Nähe befindet macht die App eben keinen Spaß.

Der ausschlaggebendste Grund ist jedoch sicherlich der hohe Stromverbrauch dieser Art von Apps. Da sie ununterbrochen im Hintergrund laufen und zudem ohne Unterlass die Position des Handys orten saugen diese Apps in Windeseile den Akku leer.

Facebook-App mit Startvorteil und Umsatzpotential

Wie bei vielen der vergangenen Facebook-Features besitzt auch diese App den riesen Vorteil, das Gesamtnetzwerk Facebook inklusive aller Nutzer als potentielle User-Basis zur Verfügung zu haben. Dadurch fällt eine zusätzliche Registrierung/Anmeldung weg und der Facebook-Nutzer kann in seinem gewohnten Netzwerkumfeld agieren.

Eine solche funktionierende und von den Fans angenommene App ermöglicht Facebook zudem eine ganz neue Ebene der personalisierten Werbung. Man stelle sich einen Spaziergang durch die Innenstadt vor. Das Handy vibriert alle paar Meter und per Push-Nachricht zeigt einem die App an, welche (Rabatt-)Angebote im nächsten Geschäft warten. Hier 20% bei Schuhen, Schlussverkauf im Matratzengeschäft, in der nächsten Bar hat die Happy Hour gerade begonnen und jeder Facebook-Freund bekommt einen Kaffee aufs Haus wenn man über Facebook eincheckt und es seinen Freunden weiterempfiehlt.

Datenschutztechnischer GAUDatenschutzkrake

Was für den modernen digital Native und Werbetreibende sicherlich wie ein Paradies wirkt lässt bei Datenschützern alle Alarmglocken läuten. Schließlich handelt es sich um nichts anderes, als eine Speicherung aller Bewegungsdaten der Nutzer. Das Anlegen eines eigenen Profils, bestehend aus allen Freunden, Vorlieben, Statusmeldungen und Bewegungsdaten erstellt eine schier unfassbare Datenbank der Fans. So mancher Geheimdienst würde neidisch auf Facebook blicken. Damit wären wir auch direkt beim nächsten Punkt angelangt:

Wer erhält Zugriff auf die Daten?

Facebook_Default_Picture_by_adnacWie immer, bleibt auch bei dieser App die Frage, wer auf diese Informationen Zugriff erhält und in wie fern der Konzern, neben geobasierter Werbung, Vorteil aus den Daten ziehen wird. Neben dem schon bekannten Verkauf profilbezogener Daten, würden die Bewegungsmuster für allerlei dubiose Dienste und Firmen von Interesse sein. Nicht zuletzt auch die Sicherheitsorgane in Form von Polizei oder z.B. FBI (wir dürfen nicht vergessen, dass Facebook ein US Amerikanisches Unternehmen ist, welches außerhalb der deutschen Gerichtsbarkeit liegt) könnten per Gerichtsbeschluss Zugang zu diesen Daten erlangen um Bürger zu lokalisieren oder Persönlichkeitsprofile anzulegen.

Fazit:

Die Nutzung einer ortungsbasierten App ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bieten diese Apps Vorteile welche sowohl den Werbetreibenden, als auch den Kunden zugutekommen. Der Streuverlust wird minimiert und der Kunde erhält nur Werbung, welche ihm tatsächlich nützlich sein könnte (Keine Lippenstiftwerbung mehr für Männer).

Auf der anderen Seite bildet eine Ortungsbasierte App den Einstieg in eine Welt der absoluten Kontrolle.

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