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Führungskompetenz nur an der Spitze des Organigramms? – Solche klassischen Führungsmodelle haben laut dem Ketchum Leadership Communication Monitor (KLCM) 2015 längst ausgedient. Für die Studie befragte Ketchum, eine der weltweit führenden Kommunikationsagenturen, zu dessen globalem Netzwerk wir seit 2013 angehören, mehr als 6.000 Menschen in 12 Ländern. Welche Vorstellungen haben die Befragten zu effektiver Führung und effektiver Führungskommunikation im 21. Jahrhundert?

Infografik KLCM

KLCM Infografik

In einer Zeit, in der Unternehmen dauerhaft mit Schnelllebigkeit, rasanten Veränderungen und hohen Stakeholderansprüchen konfrontiert sind, müssen sich Führungskräfte an die Geschwindigkeit von heute anpassen. „Leadership at the Speed of Now“ lautet die Devise. Langwierige Entscheidungsprozesse, Bürokratie und starre Top-Down-Strukturen sind nicht mehr zeitgemäß. Investoren, Verbraucher, Mitarbeiter oder Journalisten erwarten eine schnelle Informationsvermittlung und ein rasches Umsetzen von Ideen in Taten. Unternehmen, deren Führungskultur das ermöglicht, sind klar im Vorteil.

Goodbye Hierarchie – Führung auf allen Ebenen

Laut dem vierten KLCM haben die Befragten eine eindeutige Vorstellung davon, wie diese aussehen soll, um den heutigen Anforderungen gerecht zu werden. So geben 41 Prozent der Teilnehmer an, dass die Führung von allen Mitarbeitern zu tragen ist, wohingegen nur ein Viertel diese Kompetenz ausschließlich der Vorstandsetage zuschreibt. Diese Ergebnisse stimmen mit vergangenen KLCM-Umfragewerten überein: Bereits seit drei Jahren bilden die Daten einen Bedeutungsrückgang des CEOs als Führungspersönlichkeit ab. Gleichzeitig ist eine dezentrale und gemeinschaftliche Führungskultur aller Unternehmensmitglieder auf dem Vormarsch. Gemäß dieses „Title-less Leadership“-Konzepts sind gute Leitungsqualitäten auch ohne traditionellen Führungstitel möglich.

Nur jeder Vierte von Führungsqualitäten überzeugt

Jenes Umdenken kommt zu einer Zeit, in der Führungskräfte generell auf dem Prüfstand stehen. Bei den Befragten halten nur 24 Prozent die Leitungskompetenz der Chefs für effektiv. Wird Unternehmensführern in der Wirtschaft noch von jedem dritten Befragten Effektivität bescheinigt, sieht es in der Politik, bei NGOs oder Gewerkschaften düsterer aus. In wirtschaftlichen Unternehmen ist nicht selten das Geschäft unmittelbar von negativ bewertetem Führungsstil betroffen. So gibt mehr als die Hälfte der KLCM-Teilnehmer an, Unternehmen wegen schlechter Führung bereits boykottiert oder zumindest den Konsum der Produkte erheblich eingeschränkt zu haben.

Communication matters

Doch welche Eigenschaften sollte eine gute Führungspersönlichkeit mitbringen? Mit jeweils 63 und 61 Prozent erwarten die Befragten, dass Führungskräfte „mit gutem Beispiel vorangehen“ und „offen und transparent kommunizieren“. Darauf folgen auf Platz drei und vier im Ranking die Fähigkeit, „Fehler einzugestehen“ und „das Beste aus Mitarbeitern herauszuholen“. Auch ein „sicherer und ruhiger Umgang mit kontroversen Situationen und Krisen“ wird von 58 Prozent der Teilnehmer als das fünfte wichtige Merkmal für guten Führungsstil genannt. Kommunikation ist bei all diesen Schlüsselfaktoren ein wesentlicher Bestandteil. Im Zeitalter der Transparenz sendet jedes Führungsverhalten ein kommunikatives Signal. Nicht zuletzt deshalb wird von mehr als zwei Drittel der Befragten eine effektive Führungskommunikation als besonders wichtig angesehen. Dass sich diese Merkmale nicht nur auf die oberste Hierarchieebene beschränken, liegt auf der Hand: Jedes Unternehmensmitglied kann nach diesen Maximen handeln und sich Respekt und Autorität verschaffen. Die KLCM-Befragten wünschen sich darüber hinaus eine persönlich anwesende Führungskraft. Der richtige Kanal für wirksame Führungskommunikation ist also entscheidend. Neben formellen Unternehmenspublikationen haben Formate, in denen der Chef quasi-anwesend ist (z. B. Fernsehinterviews, persönliche Ansprachen, Interaktionen auf der Website) einen enormen Einfluss auf die wahrgenommene Führungsqualität.

Er oder Sie?

Wenn es um das „bessere“ Geschlecht in Führungspositionen geht, scheiden sich die Geister. Einerseits wird Männern von 61 Prozent der Befragten bescheinigt, dass sie die Herausforderungen der nächsten fünf Jahre besser bewältigen werden als ihre weiblichen Kollegen. Jedoch sind Frauen bei drei von fünf wichtigen Führungseigenschaften männlichen Top-Managern überlegen: Vor allem beim Eingestehen von Fehlern, dem Motivieren von Mitarbeitern zu Bestleistungen und im Bereich offener und transparenter Kommunikation schneiden die Damen besser ab. Dieser scheinbare Widerspruch unterstreicht einmal mehr die Debatte um Männer und Frauen in Führungsetagen, in der geschlechtsspezifische Stereotype offenbar noch lange nicht gebändigt sind. Laut KLCM 2015 schadet Unternehmen ein stereotypes Führungsdenken. Vielmehr zeigt sich auch hier der Vorteil von geteilter Führungskultur auf allen Ebenen – und das unabhängig vom Geschlecht.

Fazit

Führung von jedermann – darf dann jeder alles? Nein, denn eine Führungskultur auf allen Ebenen ist nicht mit anarchieähnlichen Verhältnissen zu verwechseln. Zwar zeigt das KLCM 2015 in seiner Quintessenz, dass Top-Down Führung immer weiter an Bedeutung verliert. Ein funktionierendes System, das eine gewisse Kontrolle und Sicherheit, klare Zuständigkeiten und Verantwortungszuweisungen gewährleistet, ist aber weiterhin notwendig. Jedoch haben Firmen, die auf allen Hierarchiestufen Führungspotenzial fördern und bestärken, die Chance, flexibler und schneller auf die Gegebenheiten der heutigen Zeit zu reagieren – eben mit „Leadership at the Speed of Now“.

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